Klinische Studie / Klinische Studien

Eine klinische Studie ist jede Untersuchung an freiwilligen Probanden oder Patienten, deren Ziel es ist, die klinischen, pharmakologischen, pharmakokinetischen und/oder pharmakodynamischen Effekte eines Prüfpräparates zu bestimmen oder zu verifizieren. Das Prüfpräparat kann ein Arzneimittel, ein Medizinprodukt oder ein biologisches Präparat wie beispielsweise ein Impfstoff, Blutbestandteil oder eine Gentherapie sein. Bevor potentielle Behandlungen in klinischen Studien im Menschen getestet werden, müssen ihre Effekte und möglichen Auswirkungen zunächst in präklinischen Studien analysiert werden, d.h. in Zellkulturmodellen oder im Tierversuch, um ihre Sicherheit und Unbedenklichkeit zu prüfen. Weitere Ziele klinischer Studien beinhalten die Identifizierung von Nebenwirkungen sowie die Analyse der Absorption, Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung eines Prüfpräparates, um die Sicherheit und/oder die Wirksamkeit zu bestimmen.

Je nach Entwicklungsfortschritt werden klinische Studien in vier klinische Phasen unterteilt, welche sich von sehr streng kontrollierten Dosierungen an einer kleinen Anzahl von Prüfungsteilnehmern zu weniger streng kontrollierten Studien mit einer großen Teilnehmerzahl entwickeln. Ein Prüfpräparat kann parallel in zwei oder mehr unterschiedlichen Phasen in verschiedenen Studien bewertet werden und bei einigen Studien können sich zwei unterschiedliche Phasen überschneiden.

Phase I

In klinischen Phase I Studien wird ein neues Prüfpräparat oder eine Therapie erstmalig am Menschen getestet (“First in Man”/FIM). Das wichtigste Ziel von Phase I Studien ist die Prüfung der Verträglichkeit und die Bestimmung der geeigneten Dosierung und potentieller Nebenwirkungen eines Prüfpräparates an einer kleinen Anzahl von gesunden Probanden (20-80). Während der Phase I sollen ausreichend Informationen über die Pharmakokinetik und die Pharmakodynamik eines Prüfpräparates gewonnen werden, die die Planung einer gut-kontrollierten, wissenschaftlich validen Phase II Studie ermöglichen. Phase I Studien werden in der Regel engmaschig monitoriert.

Phase II

In klinischen Phase II Studien wird die Sicherheit und Wirksamkeit des Prüfpräparats oder der Therapie für eine bestimmte Indikation bei einer erhöhten Anzahl von Patienten (bis zu einigen Hundert) getestet, die von der Krankheit bzw. dem Zustand betroffen sind, für die das Prüfpräparat ursprünglich entwickelt wurde. Dabei wird der therapeutische Dosierungsrahmen definiert und Nebenwirkungen und Risiken ermittelt, die mit der Studienbehandlung in Verbindung stehen. Phase II Studien werden häufig in Phase IIa und Phase IIb-Studien unterteilt: Phase IIa-Studien sind klinische Pilotstudien, ausgerichtet auf die Bewertung der Sicherheit und des Behandlungskonzepts (“Proof of concept”); klinische Phase IIb-Studien verfolgen das Ziel, die Wirksamkeit eines Prüfpräparats oder einer Therapie zu untersuchen, insbesondere im Hinblick auf die Bestimmung einer geeigneten Dosierung (“Dose Finding”).

Phase III

Klinische Phase III Studien werden durchgeführt, um die zusätzlichen Informationen über Wirksamkeit und Sicherheit eines Prüfpräparats zu gewinnen, die benötigt werden, um das allgemeine Risiko-Nutzen-Verhältnis zu bewerten und eine adäquate Grundlage für die Verschreibungsverordnung zu schaffen. Phase III Studien vergleichen in der Regel die Wirksamkeit und Sicherheit des neuen Prüfpräparates mit bisherigen für die relevante Indikation auf dem Markt befindlichen Standardtherapien. Im Allgemeinen sind mehrere Hundert bis mehrere Tausend Prüfungsteilnehmer involviert. Phase-III-Studien können in Phase IIIa und Phase IIIb unterteilt werden: Phase-IIIa-Studien werden durchgeführt, nachdem die Wirksamkeit des Arzneimittels nachgewiesen ist, jedoch bevor eine Einreichung zur Produktlizensierung erfolgt. Phase-IIIb-Studien können vom Marketing verwendet werden, um das Arzneimittel nach Zulassung auf dem Markt weiter zu fördern.

Phase IV

Klinische Phase IV Studien können nach Marktzulassung eines Arzneimittels durchgeführt werden, um zusätzliche Informationen über Risiken, Nutzen und Effekte in der Langzeitnutzung eines Prüfpräparats zu gewinnen. Studien dieser Art können im Vergleich zur Phase II die Austestung anderer Dosierungs- und Verabreichungsschemata, die Einschließung zusätzlicher Patientenpopulationen oder anderer Stufen der jeweiligen Krankheit oder den Vergleich mit einem Konkurrenzprodukt beinhalten.

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